Die Läuterung
Eine Kurzgeschichte von Robert Sandberg.


Notfraß und Sturztrunk waren zwei bemerkenswerte Persönlichkeiten. Notfraß frönte schon in der Herrgottsfrühe der Leibesfülle, - und zwar von Stund' an!

Sturztrunk hatte die Gläserleere abgeschlossen. Er wusste seine Leererfahrung beim lokalen Ausschank anzubringen, was auch diesem zu Leergute kam. Er absorbierte verzweifelt einen Glasinhalt nach dem anderen.

Oft saßen diese beiden in ihrer Lieblingsgaststätte "Z ur Letzten Füllung" und gingen ihren Berufungen nach. Eines Tages nun, waren sie mit ihren

Seelen in einen Notstand geraten, den dort selbst gerade ein betrunkener Stationsvorsteher achtlos ausgerufen hatte. Aus diesem sich zu befreien einander zu helfen waren sie bemüht. Der Notfraß suchte mit seiner Leibesfülle die Fluten zu verdrängen, die dem Sturztrunk bis zum Halse standen. Dieser aber, der auszudörren befürchtete, wehrte sich gegen die unerwünschte Hilfe, indem er den Notfraß ausquätschte. Da begann dieser sein Herz auszuschütten und zwar in einen unbändigen Redefluss. Diesen wiederum nahm der Sturztrunk , der ja nun trocken war, auf wie ein geistiger Schwamm. Solchermaßen therapiert änderten die beiden ihre Namen in Ausquatsch und Trockenfall .

Als nun eines Tages die beiden wieder einmal in ihrer Stammgaststätte

"Z ur Letzten Füllung" saßen, - nichts verzehrten, - und über ihre Heilung im Wechsel schwadronierten: "Gut, dass ich mich ausquatschen kann!" " und "Endlich bin ich trocken!", da platzten unvermittelt Hauklotz und Unhobel herein und sogleich vor Wut, über die völlig zu Tage getretene Lämmerfrömme. Sie begannen sofort laut und stark auf die beiden Geheilten einzudreschen. Diese aber boten sämtliche Wangen dar und versuchten Hauklotz und Unhobel durch Zu-Reden zur Vernunft zu bringen, wohin sie aber partout nicht wollten.

Darauf wurden sie von Ausquatsch mit Worten so in die dort glücklicherweise vorhandene Enge getrieben, dass sie keinen Ausweg mehr wussten, bis Trockenfall ihnen eine Brücke aufzeigte, über die sie gehen konnten. Der besondere Kniff dieses pädagogischen Kabinettstückchens lag darin, dass man über diese Brücke zur Einsicht gelangte. Dort fanden Hauklotz und Unhobel , ohne überhaupt danach gesucht zu haben, sich selbst. Durch diesen Fund wiederum, kamen sie zur Ruhe, wo auch sie beschlossen ihre Namen zu ändern. Fortan hießen sie Friedlieb und Schmalzjakob .

Alle Vier trafen sich nun regelmäßig in der Gaststätte "Z ur Letzten Füllung" und gründeten dort die Band "Di e Asketischen Vier" . Der Wirt aber, der keinen Umsatz mehr machte, änderte sein Konzept und nannte seine Stätte von nun an "Zur L etzten Ölung" .

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